knapperig korstje

In einigen Gemeinden wird die Tradition des gemeinsamen Brotbackens in einem Steinofen wieder aufgenommen.

Ein seit vielen Jahren verwilderter und unbenützter Stiftsgarten in der Gemeinde Sistrans, zentral im Dorf gelegen, bildete einen idealen Kontext für ein derartiges Projekt. Der Glücksfall: Gemeinde, Pfarrer und Grundeigentümer konnten nach anfänglicher Skepsis von der Idee überzeugt werden, an diesem Ort einen Ofen zu bauen.

Das Grundstück steht im Alleineigentum des Stiftes Wilten, mit dem ein sogenannter Bittleihvertrag abgeschlossen wurde. Das angrenzende, unter Denkmalschutz stehende Widum, gehört der Gemeinde Sistrans und kann während den Veranstaltungen unentgeltlich genützt werden. Unter der Leitung des Architekten wurde von DorfbewohnerInnen in vielen ehrenamtlich erbrachten Stunden ein „Ofen aus Stein“ errichtet. Die Finanzierung des Projekt erfolgte und erfolgt ausschließlich durch Spenden.

Ortbeton schien für die Aufgabe ein gut geeignetes Baumaterial zu sein. Einerseits schafft die archaische Anmutung des Bauwerkes den für den Ort und „Zweck“ gesuchten architektonischen Charakter. Auf der anderen Seite kann das Material ohne großes technisches Wissen und Können von Laien unkompliziert verarbeitet werden.

Die Wände des Ofens wurden Schicht um Schicht in Stampfbeton aufgebaut und von Hand verdichtet; das tonnenförmige Dach ist aus wasserundurchlässigem Beton ohne weitere Abdichtung; Verarbeitungsspuren wurden bewusst sichtbar gelassen. Sämtliche Gußeisen- und Stahlblechteile sind mit dunklem Eisenglimmerlack behandelt. Der Steinofen wird jeden letzten Freitag im Monat eingeheizt und fasst bis zu 30 Brotlaibe. Die Zeit des Anheizens und des Brotbackens wird als Zeit der Begegnung und des Austausches genützt.

Durch das Backen soll wieder ein Bewusstsein für das Handwerk geweckt werden; Brot aus regionalen und traditionellen Zutaten, ohne Zusatzstoffe und Teig von Hand geknetet, wie es nur mehr wenige Bäcker mit Leidenschaft betreiben. Damit wird das Interesse für eine ehrliche und „echte“ Qualität der Lebensmittel gestärkt.

Regionale Bewusstseinsbildung führt letztendlich zu einer nachhaltig besseren Lebensqualität im Ort.